Olpe/Siegen. Die Pilgerstrecke ist geplant, die Quartiere für die Übernachtungen gebucht. Vom 09. bis 14. Februar werden erneut 40 Hungertuchwallfahrerinnen aus Südwestfalen zur Eröffnung der MISEREOR-Fastenaktion in Stuttgart unterwegs sein. Die Gruppe startet an Karnevalsdienstag, legt zunächst eine erste Strecke von Olpe bzw. Siegen mit dem Bus bis in den Kraichgau zurück. Im Gemeindehaus der Pfarrei St. Cyriak Dielheim – die Kirche wird gerade umfänglich renoviert – startet dann gegen Mittag die Fußwallfahrt und wird bis zum folgenden Samstag ca. 110 Kilometer unter die Füße nehmen. Der Weg führt über den Mannaberg und die Kraichgauer Weinpfade zunächst nach Östringen. Weiter geht es durch das Kraichtal nach Oberderdingen, dann im Naturpark Stromberg-Heuchelberg entlang der Schanzen der Eppinger Linie ins Enztal nach Vaihingen. Von der Schwäbischen Toskana führt der Weg anschließend durch das fruchtbare Strohgäu und über den Sand- und Heukopf nach Stuttgart. Dort steht am Sonntag, 14. Februar die Teilnahme am Eröffnungsgottesdienst der MISEREOR-Fastenaktion, der traditionell im Fernsehen übertragen wird, auf dem Programm.
Die Hungertuchwallfahrt bietet eine Auszeit für Körper, Geist und Seele. Der gemeinsame Weg schafft Möglichkeiten, eigene Grenzen zu erfahren, diese im Verbund mit anderen zu überwinden sowie Körper und Geist neu einzustellen. Der Weg will zu solidarischem Handeln bewegen. Kriege und Klimaveränderungen, die komplexen Multikrisen unserer Tage, zeigen, wo die Schwachstellen unserer politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen liegen.
Für die spirituellen Impulse und Gottesdienste sorgt ein Team um Dechant Karl Hans Köhle aus Siegen. Für Organisation und Streckenführung sind seit vielen Jahren Jutta und Jochen Voß aus Olpe sowie das Dekanatsbüro Siegen zuständig. Die Verpflegung ist einfach. Ein Team vom Malteser-Hilfsdienst Olpe übernimmt den Unterwegs-Service und Gepäcktransport. Übernachtet wird in Pfarr- sowie Gemeindehäusern und am Zielort im Hotel. Die Anreise nach Olpe bzw. Siegen erfolgt individuell, die Rückfahrt gemeinsam im Reisebus. Kosten pro Person: alles inkl. 415,00 Euro.
Die Fastenaktion 2027 von MISEREOR steht unter dem auch für die Fußwallfahrt sehr passenden Motto „Am Anfang steht Mut“. Begleiten wird die Pilger auf ihrem Weg das neue MISEREOR-Hungertuch des Künstlers Bruce Clarke: „Weg ins Ungewisse“. Clarke, der nicht nur als Künstler, sondern auch als Menschenrechtsaktivist bekannt wurde, hat sich in der inhaltlichen Gestaltung von der biblischen Emmaus-Erzählung inspirieren lassen. Das Hungertuch nimmt Erfahrungen von Unsicherheit und Orientierungssuche auf und setzt ihnen ein klare Perspektive entgegen: Menschen können Brücken bauen, aufeinander zugehen und im Miteinander Halt finden. Das spannende Kunstwerk stellt sehr aktuelle Fragen: Was hält Menschen zusammen, wenn vermeintliche Sicherheiten brüchig werden? Wie verhalten wir uns angesichts der bewaffneten Konflikte, die die Welt erschüttern? Was tun wir, wenn autoritäre Kräfte immer stärker werden und die Polarisierung von Gesellschaften zunimmt?
Diese Fragen stellt auch die MISEREOR-Partnerorganisation Buja Sans Tabou in Burundi. Sie versucht, mithilfe von Kunst und Kultur junge Menschen für die Geschichte und Kultur ihres Landes zu sensibilisieren. Burundi hat seit der Unabhängigkeit wiederholt Phasen von Gewalt und tiefgreifenden gesellschaftlichen Spannungen erlebt. Viele Menschen verloren dabei ihr Leben. Familien wurden auseinandergerissen und die Folgen dieser Ereignisse sind bis heute in der Gesellschaft spürbar. Gleichzeitig verfügen viele junge Menschen nur über begrenzte Kenntnisse dieser Geschichte. Buja Sans Tabou möchte historische Erfahrungen sichtbar machen und den gesellschaftlichen Dialog fördern.
Am Anfang steht der Mut. Mit ihrem Weg setzen die Pilgerinnen ein Zeichen für Solidarität und Veränderung.
Ein Flyer mit näheren Einzelheiten steht auf der Internetseite des Dekanats Siegen zum Download bereit. Anmeldungen per Email und Rückfragen an: .
Text: Michael Scheffel, Foto: Jochen Voß
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Gemeindekirche, Urnenfriedhof und Trauerherberge - das alles ist die Kolumbariumskirche Heilig-Kreuz in Siegen-Weidenau unter einem Dach.